EM Triathlon Holten – ein Triathlon der Superlative
Nach den unvergesslichen Erlebnissen bei der Triathlon WM in Hamburg 2007 planten mein Trainingspartner Axel und ich für den Wettkampfkalender 2009 ein weiteres internationales Ereignis – die EM in den Niederlanden.
Natürlich war uns bewusst, dass wir nur Chancen auf die hinteren Ränge haben, denn bei der EM war die Leistungsdichte sogar noch höher als bei der WM in Hamburg. Wir wollten die Organisation eines so großen Triathlons genießen und einen für uns guten Wettkampf machen.
Bei unserer Ankunft gerieten wir schon ins Staunen. An allen Häusern des Ortes hingen Fahnen mit den Aufdrucken der EM, Plakate standen in den Vorgärten. Am zentralen Marktplatz waren 2 große Tribünen aufgebaut, mehrere Großbildleinwände säumten die Hauptstraße, unzählige Volunteers waren damit beschäftigt die Straßen mit Gittern abzusperren und Brücken für die Zuschauer aufzubauen. Man kam sich ein wenig vor wie bei der Tour de France.
Beim Einschwimmen am Freitag im 21°C warmen See „Domelaar“ erwartete uns eine Premiere. Wir erfuhren, dass wie im Weltcup mit Startsprung gestartet werden sollte. Da zwei Runden geschwommen wurden, musste nach kurzem Landgang ein weiterer Kopfsprung erfolgen. Ob das gut gehen würde?
Nach der Akkreditierung gingen wir zur Pasta-Party und waren ein weiteres Mal sprachlos. Uns erwartete nicht die gewohnte Spaghetti-Bolognese-Massenproduktion sondern ein Nudel-Buffet mit 8 verschiedenen warmen Pastagerichten und zusätzlich 5 verschiedenen Nudelsalaten. Unglaublich.
Der kleine Ort Holten glich einer Triathlon Hochburg. Unzählige Athleten aus ganz Europa schlichen in ihren Nationalanzügen durch die Straßen als am Abend mit einer Flaggenparade und Feuerwerk das Wettkampfwochenende eröffnet wurde.
Am Samstag galt es zunächst sich die Startnummer gegenseitig „aufzutätowieren“, denn diesmal übernahm nicht ein Edding den Job sondern Abziehbilder mit aufgedruckten Zahlen – echt cool! Dann hieß es zuerst die T2 einzurichten, denn es gab eine Wechselzone am See und die zweite im Ort selbst. Als die Laufschuhe in der Box positioniert waren, fuhren wir mit den Rädern zum See. Dort checkten wir die Räder in die T1 ein. Eine weitere Premiere: direkt nach dem Wasser standen Boxen, in die man seine Schwimmsachen reinschmiss und den Helm+Startnummer anzog. Dann erst ging es zum Rad, welches einige Meter weiter weg stand.
Als erstes starteten gegen 11 Uhr die Para-Triathleten. Es sind unglaubliche Leistungen, die diese Athleten vollbringen. Einige schwimmen mit nur einem Arm schneller als viele von uns jemals mit zweien werden. Andere werden aus dem Wasser getragen um dann in der Wechselzone ihre Prothesen anzubringen und sich dann auf den langen Weg zu machen. Wirklich beeindruckend.
Ich war schon in der zweiten Startgruppe, die um 12 Uhr starten sollte. Meine euphorische Stimmung kippte kurz vorher dann doch – die Angst in diesem starken Feld als letzte das Wasser zu verlassen überwiegte plötzlich. Dick mit Sonnencreme eingeschmiert, denn die Wettervorhersagen besagten nichts Gutes, begab ich mich zum Start. Wir (alle Frauen bis AK 40-44) stellten uns in einer Reihe auf… Take your marks – Startschuss. Das Schwimmen verlief für mich wirklich gut und auch der Landgang mit Kopfsprung klappten. Als ich das Wasser verließ waren ein Glück noch fast 20 Räder in der Wechselzone. Immerhin. Allerdings war ich trotzdem letzte meiner AK. Nun begann also die große Aufholjagd auf dem Rad. Doch es nahte die nächste Superlative: statt einem niederlandtypischen flachen Kurs, mussten wir Kletterkünste beweisen und 6x eine lange 12% Steigung hochkraxeln. Auch sonst hatte der Radkurs neben vielen Wellen auch eine ordentliche Portion Wind zu bieten. Er war aber dadurch auch sehr reizvoll und abwechslungsreich. Der zweite Wechsel im Ort schickte uns dann auf einen 4x 2,5 km Rundkurs durch die Stadt der auch wellig war. Die Temperaturen waren nun schon auf über 30°C gestiegen, die Sonne brannte – eine Hitzeschlacht begann. Natürlich litten die Laufzeiten aller unter diesen Bedingungen, aber die Holtener taten ihr Bestens uns wenigstens ein wenig abzukühlen. So gab es auf der kurzen Runde gleich zwei Verpflegungsstellen, die Anwohner spritzen mit ihren Gartenschläuchen oder reichten Schwämme. Bei den Rundendurchläufen an den Tribünen konnte man sich selbst auf der Großbildleinwand beobachten und die viele vielen Zuschauer an der Strecke taten ihr übriges, so dass dieser Triathlon wohl der schönste und aufregendste war, den ich je gemacht habe. Mit der 8. besten Rad- und Laufzeit konnte ich dann noch den 10. Platz in meiner AK erreichen.
Trotz des anspruchsvollen Profils und der harten Witterungsbedingungen, die Bestzeiten unmöglich machten, war es ein Triathlon-Spektakel der Superlative mit vielen Premieren für uns „normale“ Athleten.
Und etwas Unheimliches gab es auch: sämtliche EM-Werbung, ob Plakate, Programmheft, Aufkleber, Fahnen oder das Race-Booklet zeigten auf der Titelseite ein Bild von Gomez oder Spirig – und genau diese beiden wurden auch Europameister. Das konnten selbst die Organisatoren in Holten kaum glauben, denn sie waren weder amtierende Europameister noch hatten sie in den Jahren zuvor in Holten gewonnen.
Ein Triathlon in Holten findet jährlich statt und jeder der zu dieser Zeit sich dort in der Nähe aufhält, sollte unbedingt die Chance nutzen dieses triathlonverrückte Örtchen einmal kennen zu lernen!
Pos StartNr Cat Name Nation Swim #Sw Chg1 Bike #Bk Chg2 Run #Run Total
10 1101 AGF20-24 Ornella Graupner GER 00:30:24 14 1:03 1:17:47 8 1:12 47:47 8 2:38:11
Ornella










