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Weltmeisterschafts-Silber für Grünau

Sonntag, der 31.08.2008. Endlich war es soweit. Nach vielen Monaten harten Trainings und harter Wettkämpfe stand für Nils und mich der Saison-Höhepunkt bei der Langdistanz-WM in Almere an. Die Distanz: 4km Schwimmen, 120km Rad, 30km Laufen.
Begleitet und angefeuert wurden wir von Hanna und ihrer Schwester Sophie, die uns mit Ratschen, Schildern und Rufen nach vorne getrieben haben.

Bereits am Freitag mussten die Startunterlagen abgeholt werden. Dazu gehörte auch ein WM-Magazin in dem alle Starter vermerkt waren. Neben unseren beiden Namen standen auch die Elite-Starter, wobei ich mit Chrissie Wellington und Andreas Niedrig nur zwei nennen will.

Am Samstag mussten dann Räder und Helme in die Wechselzone, was mit einer Unterschrift beim Check-In und Check-Out bestätigt werden musste. Die Wechselzone war gesäumt von Zeitfahrmaschinen der obersten Güte. Auch Nils hatte aufgerüstet. Er hatte den Laufradsatz von Henry bekommen und somit optimale Voraussetzungen für eine schnelle Radzeit.

Am Sonntagmorgen ging es um 7 Uhr in die Wechselzone. Ab jetzt kam man als Athlet nur noch durch, wenn man ein Nationaltrikot bei sich hatte. Nach den letzten Feineinstellungen und der Never-Ending-Story beim Versuch Henry’s Scheibe aufzupumpen (zum Glück mit gutem Ende) ging es dann Richtung Schwimmstart.

8:55 Uhr gab es das Startsignal. Rund 800 Männer stürzten sich in Richtung der ersten Bojen. Nils hatte sich bereits vor dem Start ganz nach vorne geschoben um den Prügeleien aus dem Weg zu gehen. Für mich hingegen gab es ordentlich was einzustecken. Die Schwimmstrecke bestand aus zwei Runden und die erste davon mit 1,2 km Länge und einem Landgang danach. Nach der ersten Runde hatte ich durch die Rangeleien schon einiges an Kräften verloren. Aber egal und auf in die zweite Runde. Nach Angaben der Veranstalter sollte diese 2,8 km Länge haben, jedoch haben einheimische Triathleten, die diese Strecke als ihre Hausstrecke haben, 600 bis 1000m mehr geschätzt. Als ob dies nicht schon anstrengend genug wäre, mussten wir gegen die Strömung und durch den vom Wind bedingten, starken Wellengang schwimmen. Somit konnte ich mich nur an den Armen vor mir orientieren. Die Sonne, die uns genau entgegen stand, verhinderte auch das letzte bisschen Hoffnung auf freie Sicht nach vorne. All dies schlug sich natürlich deutlich in den Schwimmzeiten aller nieder.
Circa 700m vor dem Ziel gab es einen leichten Linksknick auf der Schwimmstrecke. Endlich war der Hafen in Sicht und somit die Hoffnung das Schwimmen hinter sich gebracht zu haben. Je näher man kam desto lauter wurde es. Die Zuschauer standen am Rand und der Sprecher im Zielbereich war immer besser zu hören. Raus aus dem Wasser, unter der Dusche durchlaufen und rein in die Wechselzone.

Noch nie zuvor habe ich mich so auf das Radfahren gefreut, denn das Schwimmen war eine reine Qual. Die ersten Kilometer gingen am Deich entlang mit Gegenwind. Nach ca. 7km dann eine Wende und mit Rückenwind bis man nach wenigen Kilometern in Richtung Felder abbog. Die Radstrecke bestand aus zwei Runden und ging flach durch die holländische Landschaft. Der Wind ersetzte die fehlenden Steigungen. Irgendwann wurde ich vom Führenden der Elite-Starter überholt, die eine halbe Stunde früher gestartet waren. Begleitet von einem Führungsmotorrad und einem Kameramotorrad flog er förmlich an mir vorbei. Der Helikopter fing das Ganze von oben ein.
Nach zwei Runden ging es dann, dank dem Wechseltraining in dieser Saison, 300m vor dem Ziel für mich raus aus den Schuhen und „gekonnt“ mit einem Sprung vom Rad.

Ein schneller Wechsel und dann ab auf die Laufstrecke. Diese hatte ebenfalls zwei Runden und bei 28°C und kaum Schatten knallte die Sonne auf uns herab. Beim Laufen wurde man von Fans aller Nationen angefeuert. Durch den Vornamen auf der Startnummer wurde man auch mit diesem angefeuert. Motivation pur bei so einer Laufstrecke. Die ersten 3km gingen diesmal auf der anderen Seite vom Deich entlang. Danach ging es ein wenig durch die Landschaft. Die letzten 5km der Runde dann wieder am Deich entlang. Dieser Moment stellte jeden Athleten auf eine harte Probe, da man von dort aus bereits den Zielbereich erahnen konnte, der einfach nicht näher kommen wollte. Die ersten 15km gingen mit 1:06h noch ganz gut bei mir. Ab Kilometer 18 wurde das Tempo dann deutlich langsamer. Kilometer 25 bis 27 waren eine Kombination aus Übelkeit, kaltem Schweiß und Quälerei. Aber die letzten 2km war die Strecke so voll mit Fans, dass die Beine wie von alleine rannten.

Der Moment im Ziel bleibt unvergesslich. Mit wackligen Beinen, einem Finisher-Shirt und einer Medaille freute ich mich dann nach ein paar Minuten Erholung über den Erfolg von Nils. Dieser wurde in seiner Altersklasse lediglich vom Deutschen Georg Potrebitsch bezwungen, der bereits im Vorfeld als einer der härtesten Konkurrenten ausgemacht wurde und für unsere Bundesligisten kein Unbekannter ist.

Am Abend nach dem Rennen gab es die Closing Ceremony. Hier gab es ein üppiges Buffet, ein kleines Programm aber vor allem die Siegerehrung der Altersklassen-Trias. Die Deutschen haben in 7 Altersklassen den Sieg geholt. Aber vor allem die silberne Medaille von Nils stand für uns im Mittelpunkt, da er, wie die meisten wissen, 2007 bei der WM in Hamburg in Führung liegend stürzte.

Hervorzuheben ist in jedem Fall noch die Arbeit des DTU-Offiziellen Thomas Lange, der bereits im Vorfeld Ansprechpartner für alle Fragen der Deutschen war und sich auch wirklich gekümmert hat. Vor Ort war er für viele der Retter in der Not, wenn es um organisatorisches ging und auch so konnte er Nils und mir viel Nützliches mit auf den Weg geben.

Alles in allem kann ich das Fazit ziehen, dass die Veranstaltung mit Abstand das Beste war, was ich organisatorisch je erlebt habe. Die Einheimischen und die Fans der anderen Nationen haben aus der ganzen Veranstaltung ein unvergessliches Erlebnis gemacht. Somit geht es nach einer langen Saison endlich in die hoffentlich wohlverdiente Pause.

Fotos

Ergebnisse beim Veranstalter, Ergebnisse bei der DTU

Ein Bericht von Marco Lügge

4 Reaktionen zu “Weltmeisterschafts-Silber für Grünau”

  1. skurt

    Bevor jemand “meckert” unser Dank gilt auch SV Berlin Chemie das ihr uns den Nils ausleiht und wir uns hier mit seinen Lorbeeren schmücken dürfen.

    Gratulation an die Athleten!

  2. Max

    Klasse Leistung!

    Jetzt habt ihr Euch die Saisonpause ehct verdient. Ich wünsche Euch, zumindest dem Nils eine schöne Zeit in Holland. Achja, Rauch nicht soviel ;-)

    Bis dann zur Vereinsmeisterschaft!

  3. Marco

    Damit ihr euch noch ein Bild der Schwimmstrecke machen könnt folgender kleiner Vergleich:

    Chrissie Wellington (Schwimmzeiten)

    Hawaii 2007 3,8km (ohne Neo): 00:58:09
    Almere 2008 “4km” (mit Neo) : 01:10:05

  4. Rasmus

    Gratulation auch von mir!
    …und ich weiß, wie sehr man sich auf’s Rad freuen kann… ;-)

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